"A wenn ma's schon vergessn ham'..."

(Aus aktuellem Anlass und dezenter persönlicher Gekränktheit kann mein heutiger Blog-Eintrag eventuell kitschige, gefühligsduselige Zeilen beinhalten.)

Erst aber mal zur einleitenden Erklärung: Ein Freund von mir ist gerade im Ausland und gar nicht sonderlich scharf drauf, von da wieder heim zu kommen.
Es ist dort nämlich alles so unkompliziert, und sonnig und aufregend. Nicht so wie daheim. Da ist alles doof.
Die Leute hier sind nämlich komisch, das Wetter so unbeständig und überhaupt ist es auf der ganzen Welt – oder halt am anderen Ende -  viel schöner und besser und superer. Hauptsache nicht zurück.


Natürlich rede ich jetzt nicht über korrupte Politiker bzw. ganze Parteien, ich schließe die fragwürdigen Entscheidungen der Justiz aus und auch die Steuerpolitik oder Wirtschaftlage. Ich weiß, dass hier nicht alles gut ist. Ich hör ja Radio!

ABER – und das mein ich wirklich genau wie ich es auch dem Freund weit weg immer wieder schreibe:  Ich möchte nirgendwo lieber daheim sein, als hier. Für mich ist es hier nicht sch*

Mein Fernweh ist nach drei Wochen Urlaub jedes Mal befriedigt und ich freue mich auf ALLES nach meiner Heimkehr.

Ich will gar nicht alles hinter mir lassen, weil ich mich mittendrin lebendig fühle.
Ich finde es nicht schlimm, all die Menschen aus meiner Vergangenheit zufällig wieder zu treffen, weil sie auf dem Weg in die Zukunft mein spannendes Jetzt waren. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich den erwachenden Frühling, oder den chaotischen Herbst schöner finde; muss ich mich auch nicht. Weil sie beide jedes Jahr wieder kommen.  Ich liebe den Sommerregen hier und die dicken Schneeflocken, die in der eisigen Winterluft zu tanzen scheinen. Ich finde es schön in den klaren Bergseen abzutauchen und auf die vielen Berge rund herum raufkraxln zu können.
Ich mag das frisch gemähte Gras unter meinen nackten Füßen, während meine Familie auf der Terrasse Bier schlürft und meine Freunde, die da sind wann immer ich sie brauche.
Ich genieße es, in drei Stunden in Wien, in 5min von der Arbeit daheim und in einer Stunde zu Hause bei Mama sein zu können.
Ich erinnere mich gerne an jede Sekunde meiner Kindheit mit rotziger Nase und kalten Händen beim Spielen im Schnee. Und den heißen Kakao danach.
Ich mag das A1-Netz und die Lokalteile in den Zeitungen, weil ich mit all dem was anfangen kann.
Ich liebe es, den Bäcker ums Eck mit „Griaß di“ begrüßen zu können und überall verstanden zu werden. Ich fühle mich frei, wenn ich in mein Auto steigen und in der Gegend rumfahren kann – und ich finds super, dass die Lokale zwar um 3 oder 4 Sperrstunde haben – es dann aber immer noch wo weitergeht. Ich mag dieses Land weil es so unglaublich viele Schätze in sich trägt – eine Geschichte hat und es fast kitschig schön ist, wenn man genau hinschaut.  

Die Perfektion und das große Glück am anderen Ende der Welt zu suchen ist nicht zu verurteilen. Es hier gefunden zu haben, aber auch nicht…

Kommentare

Beliebte Posts