Rückgrat-Training
Mein stark
übergewichtiges Gegenüber schaut mich gespielt mitleidig an und denkt Beleidigendes. Ich habe mich die letzten Minuten wirklich bemüht,
dazu zu gehören. Aber ich schaffe es einfach nicht. Schon wieder nicht.
Aber von vorne.
Ich bin in den letzten Wochen ein Medienopfer. Ich beäuge aufmerksam glückliche Sportfreaks im Fernsehen. Ich schenke Frauen Gehör, die mit viel zu großen Köpfen im Vergleich zu ihren ausgehungerten, kleinen Sportkörpern davon schwafeln, wie leicht doch alles dank Fitness sei und dass der Sommer ja so gut wie vor der Tür steht. (Memo: Allein weil es heute schneit, scheint das alles noch ein bissl lächerlicher) Trotzdem: Ich durchblättere die Seitenblicke und komme nicht hinweg, Bikinifotos von unterernährten Teenagern, die als neues Schönheitsideal gehypt werden, zu scannen. Und ich lasse mir einreden, dass Süßigkeiten – gerade jetzt in der Fastenzeit – das Werkzeug Satans himself sind.
Und so habe ich seit einigen Wochen zwei Dinge: Schlechte Laune ab 17 Uhr. Und Hunger. Enormen Hunger. Auf Süßes und Salziges. Ich habe so einen Hunger darauf, dass ich sogar schon vom sündigen Schlemmen träume. Gut eine Woche noch. Dann ist dieses gesunde Essen während der Fastenzeit (die nächste absolute Ironie für mich als Antichristin) genau so vorbei, wie dieses Sportding, dem ich mich vorsatzgemäß ausliefere.
Aber von vorne.
Ich bin in den letzten Wochen ein Medienopfer. Ich beäuge aufmerksam glückliche Sportfreaks im Fernsehen. Ich schenke Frauen Gehör, die mit viel zu großen Köpfen im Vergleich zu ihren ausgehungerten, kleinen Sportkörpern davon schwafeln, wie leicht doch alles dank Fitness sei und dass der Sommer ja so gut wie vor der Tür steht. (Memo: Allein weil es heute schneit, scheint das alles noch ein bissl lächerlicher) Trotzdem: Ich durchblättere die Seitenblicke und komme nicht hinweg, Bikinifotos von unterernährten Teenagern, die als neues Schönheitsideal gehypt werden, zu scannen. Und ich lasse mir einreden, dass Süßigkeiten – gerade jetzt in der Fastenzeit – das Werkzeug Satans himself sind.
Und so habe ich seit einigen Wochen zwei Dinge: Schlechte Laune ab 17 Uhr. Und Hunger. Enormen Hunger. Auf Süßes und Salziges. Ich habe so einen Hunger darauf, dass ich sogar schon vom sündigen Schlemmen träume. Gut eine Woche noch. Dann ist dieses gesunde Essen während der Fastenzeit (die nächste absolute Ironie für mich als Antichristin) genau so vorbei, wie dieses Sportding, dem ich mich vorsatzgemäß ausliefere.
Zweimal pro Woche zwinge ich mich zum Power Plate. Dauert nur fünfzehn Minuten
und gaukelt mir für 40 Euro im Monat, durch befremdliches Rütteln unter mir, das sagenhafte Gefühl von Sportlichkeit vor. Eigentlich hasse ich Sport ja. Ich habe null Verständnis für die Schmerzen,
die man seinem eigenen Körper damit zufügt. Und das Gefühl danach ist nicht
annähern so befriedigend, wie es der Überwindung, dem Aufwand und dem Schweiß würdig wäre. Oder wie diese großkopfigen Frauen in Jungenkörpern dauernd predigen.
Und trotzdem gaukle ich mir und sechs weiteren Power Platerinnen – inklusive Trainerin –vor, dass diese Art der Bewegung meinen Körper und meine Einstellung strafft.
Gestern also, pünktlich um 17:40, betrete ich die unedige Rüttelplatte. Aufwärmen geht noch. Eine Mitplaterin erzählt von ihrem neuen Ernährungsplan und dass sie sich seit Tagen nur noch von Pulver und Wasser ernährt. Ich blicke entsetzt auf und werde sofort ermahnt, mich auf meine Balance zu konzentrieren. „Unsere Steffi schaut nämlich sportlicher aus, als sie ist“, lacht die IQ-Amazone, die uns trainiert. UNSERE?! Als würde ich Teil dieser meist detoxenden Junkies sein.
Spätestens bei der ersten, richtigen Übung wissen dann alle, was sie mit ihrem durch Lachen vernebelten Seitenhieb gemeint hat. Ich soll meine Oberschenkel anspannen und sacke dabei unelegant in mich zusammen. Danach beende ich frühzeitig und wegen gefühlt-akuter Lebensgefahr eine Bauchmuskelübung. Dann breche ich die verodneten Unterarmstütz ab. Was soll eigentlich dieser Stützscheiß? Ich bin sauer. Auf meine Ausdauer, meinen Körper und die Verantwortliche, wegen der ich meiner Ausdauer und meinem Körper böse bin. Ich fluche undeutlich aber hörbar vor mich hin, bis eine andere Plate-Lisl meine wortgewordene Respektlosigkeit übertönt. Ohne Übertreibung: Sie wiegt bestimmt 130 kg auf 1,60, hält ihre Schwungmasse aber ohne mit der Wimper zu zucken in der Waagrechte wie ein Brett. Sie versucht Mitleid, schafft aber nur Verachtung gegenüber meiner Kondition.
„Steffi, heute hast wenigstens deine Sporthose dabei“, stichelt Turn-Hera belustigt weiter.
Meine Güte. EINMAL habe ich in Laufmaschen-Strumpfhosen mitgemacht. EINMAL. „Dann hast heute keine Ausrede“, giftet das stämmige Brett und erntet auf meine Kosten erheitertes Lachen. Ich verteile tötende Blicke an alle.
Nach dieser willentlichen Körperverletzung inklusive Erniedrigung, desinfiziere ich meine Hände (man darf sich gar nicht vorstellen, wer schon alles vor mir auf diesem Kleinod für Keime geschwitzt hat), verabschiede mich unangebracht höflich (wahrscheinlich weil ich so froh bin, dass es endlich vorbei ist) und schlendere zu meinem Auto. Am Parkplatz versucht eine ältere Dame einen viel zu großen Teppich in ihren viel zu kleinen Twingo zu stopfen. Ich biete ihr meine Hilfe an und befülle kurz darauf erfolgreich und unter angebrachter Gewaltanwendung ihr Fahrzeug mit der neuen Bodendeko. „So ein Glück, dass eine so sportliche, junge Dame wie Sie so hilfsbereit ist“, strahlt sie mich nach vollbrachter Tat an. Und hier Ladies and Gents ist er: Der lebendige Beweis dafür, dass es immer nur darauf ankommt, wer einen bewertet und von wem man diese Bewertung zulässt.
Und trotzdem gaukle ich mir und sechs weiteren Power Platerinnen – inklusive Trainerin –vor, dass diese Art der Bewegung meinen Körper und meine Einstellung strafft.
Gestern also, pünktlich um 17:40, betrete ich die unedige Rüttelplatte. Aufwärmen geht noch. Eine Mitplaterin erzählt von ihrem neuen Ernährungsplan und dass sie sich seit Tagen nur noch von Pulver und Wasser ernährt. Ich blicke entsetzt auf und werde sofort ermahnt, mich auf meine Balance zu konzentrieren. „Unsere Steffi schaut nämlich sportlicher aus, als sie ist“, lacht die IQ-Amazone, die uns trainiert. UNSERE?! Als würde ich Teil dieser meist detoxenden Junkies sein.
Spätestens bei der ersten, richtigen Übung wissen dann alle, was sie mit ihrem durch Lachen vernebelten Seitenhieb gemeint hat. Ich soll meine Oberschenkel anspannen und sacke dabei unelegant in mich zusammen. Danach beende ich frühzeitig und wegen gefühlt-akuter Lebensgefahr eine Bauchmuskelübung. Dann breche ich die verodneten Unterarmstütz ab. Was soll eigentlich dieser Stützscheiß? Ich bin sauer. Auf meine Ausdauer, meinen Körper und die Verantwortliche, wegen der ich meiner Ausdauer und meinem Körper böse bin. Ich fluche undeutlich aber hörbar vor mich hin, bis eine andere Plate-Lisl meine wortgewordene Respektlosigkeit übertönt. Ohne Übertreibung: Sie wiegt bestimmt 130 kg auf 1,60, hält ihre Schwungmasse aber ohne mit der Wimper zu zucken in der Waagrechte wie ein Brett. Sie versucht Mitleid, schafft aber nur Verachtung gegenüber meiner Kondition.
„Steffi, heute hast wenigstens deine Sporthose dabei“, stichelt Turn-Hera belustigt weiter.
Meine Güte. EINMAL habe ich in Laufmaschen-Strumpfhosen mitgemacht. EINMAL. „Dann hast heute keine Ausrede“, giftet das stämmige Brett und erntet auf meine Kosten erheitertes Lachen. Ich verteile tötende Blicke an alle.
Nach dieser willentlichen Körperverletzung inklusive Erniedrigung, desinfiziere ich meine Hände (man darf sich gar nicht vorstellen, wer schon alles vor mir auf diesem Kleinod für Keime geschwitzt hat), verabschiede mich unangebracht höflich (wahrscheinlich weil ich so froh bin, dass es endlich vorbei ist) und schlendere zu meinem Auto. Am Parkplatz versucht eine ältere Dame einen viel zu großen Teppich in ihren viel zu kleinen Twingo zu stopfen. Ich biete ihr meine Hilfe an und befülle kurz darauf erfolgreich und unter angebrachter Gewaltanwendung ihr Fahrzeug mit der neuen Bodendeko. „So ein Glück, dass eine so sportliche, junge Dame wie Sie so hilfsbereit ist“, strahlt sie mich nach vollbrachter Tat an. Und hier Ladies and Gents ist er: Der lebendige Beweis dafür, dass es immer nur darauf ankommt, wer einen bewertet und von wem man diese Bewertung zulässt.



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