MH und ich...
Müssten wir einen Beziehungsstatus angeben, wären mein Handy
(im Folgenden MH) und ich "fix zamm". Es ist wie in jeder guten Partnerschaft: Beide Teile (also
mein Smartphone und ich) versuchen, das Beste zu geben. Unsere Aufgaben sind klar verteilt: MH hilft mir durch den Tag, versorgt mich dabei
mit lebenswichtigen Infos und hält mein soziales Leben am Laufen. Ich –
auf der anderen Seite – trage es überall mit hin, trapiere es manchmal sogar
auf Tischen, Bänken oder sämtlichen anderen Ablageflächen nur um sicher zu gehen, dass WENN es kurz ein Tönchen von sich gibt, ich sofort kümmernd da sein kann.
Ich checke alle Mails auf MH, bin in vielen sehr wichtigen What´s-App-Gruppen, in denen ich regelmäßig mit noch viel wichtigeren Fotos versorgt werde und prüfe in kurzen Abständen auch sehr gewissenhaft Facebook. (Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn eine Freundin oder bild.de etwas Fundamentales posten würden und jeder Bescheid wüsste außer MH und mir!)
Die Beziehung zu MH ist liebevoll, aufopfernd und von einer impulsiven Abhängigkeit getrieben. Wenn MH genug Akku hat und ich keine Handschuhe trage, gibt es wirklich nichts, was diese Verbindung, uns, zerstören könnte.
Dachte ich bis gestern.
Ich checke alle Mails auf MH, bin in vielen sehr wichtigen What´s-App-Gruppen, in denen ich regelmäßig mit noch viel wichtigeren Fotos versorgt werde und prüfe in kurzen Abständen auch sehr gewissenhaft Facebook. (Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn eine Freundin oder bild.de etwas Fundamentales posten würden und jeder Bescheid wüsste außer MH und mir!)
Die Beziehung zu MH ist liebevoll, aufopfernd und von einer impulsiven Abhängigkeit getrieben. Wenn MH genug Akku hat und ich keine Handschuhe trage, gibt es wirklich nichts, was diese Verbindung, uns, zerstören könnte.
Dachte ich bis gestern.
Am frühen Abend war ich da nämlich mit meinem elektronischen Liebling einkaufen. Wir machen das meist zusammen, weil MH mich rührend mit einer gespeicherten Einkaufsliste unterstützt.
Wir haben geplant für den Mann zu kochen, schnappen dies und jenes.
Dann piepst das Samsung-Schatzerl und ich befinde mich nicht mehr bei Spar, sondern inmitten einer anregenden Diskussionsrunde meiner Freundinnen.
Danach, während ich mit einer Hand den Einkauf aufs Band lege, checke ich die Aktivitäten meiner Facebook-Freunde. „Oh, eine neue Haarfarbe,“ denke ich während ich abwesend: „Ich zahl´ bitte mit Karte,“ von mir gebe.
Kurz lege ich das Handy weg um das Roh-Abendessen in zwei große Sackerl zu verpacken, hebe – g´lernt is g´lernt – beide hoch, während ich weiter schreibe und den Schlüssel aus der Jackentasche fingere.
Es ist schon dämmrig, eine virtuelle Freundin postet Urlaubsfotos. „Woa...,“ sage ich laut oder nur in Gedanken und schlendere ohne aufzuschauen zu meinem Auto.Als ich davor stehe, drücke ich den Autoöffner. Scrolle weiter. Drücke noch mal. Geht nicht. Ich wundere mich kurz. Like einen Status. Lese einen Standard-Artikel über Pegida.
So stehe ich da bestimmt ein paar Minuten. Ohhh, ein Babyfoto! Muss ich kommentieren.
„Entschuldigen Sie...“ unterbricht mich die Stimme eines älteren Herrn.
„WAS IST DENN? Ihr Rabatt-Kundenkarten-Dealer werdet auch immer dreister,“ denke ich.
„Ja bitte?“ sage ich höflich.
„Ich beobachte Sie schon eine Weile...“
Ist das seine Art, um Frauen aufzureißen? „Oh... gibt es dafür einen Grund?,“ frage ich.
„Ich wollte schon vor einem Zeitl von hier weg fahren, aber Sie stehen vor bzw. lehnen auf meinem Auto... Es wäre nett, wenn Sie das jetzt lassen würden. Ich muss nach Hause.“
Ich schaue den Mann entgeistert an. Dann das Auto. Himmelarsch. Ein grauer BMW.
„So läuft das nicht mehr. Das wird einfach grad zu arg... Es tut mir leid, aber es ist aus,“ sage ich und lösche Facebook. What´s App ist als nächtes dran. Anrufen kann man mich aber noch.



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