Die Sache mit den Komplimenten...

"Du hast so schöne Augen." sagen sie und nennen dich danach beim falschen Namen.
So schon des öfteren passiert. Zu später Stund. In einschlägigen Lokalen. Mit ansteigendem Alkoholpegel.

Ich hasse Komplimente.
Man hört viel zu oft die gleichen; meistens sind diese nicht ernst gemeint und nachdem sie ausgesprochen wurden ist mir alles meist furchbar peinlich.

Was soll man denn drauf sagen? Jede Antwort wäre doch komisch.
Ein selstbewusstes "Danke": Ist eh klar. Die findet das auch. Gefällt sich selbst so gut. Fail.
Ein hilflos-abwehrendes "Geeeh": Aha, ihr muss mans also IMMER wieder sagen... Fail.
Ein verunsichertes "Stimmt nicht": Graue Maus. Von Selbstzweifeln zerfressen. Fail.

Nein, ich kann mit Komplimenten nicht umgehen. Nicht wenn es um Aussehen, Körperteile oder Schminktechniken geht. Sie sind mir peinlich.

Und doch wird in gewissen Situationen - wohl einfach  evolutionsbedingt - damit herumjongliert. 
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Komplimente müssen - WENN SCHON - gut positioniert  und vor allem perfekt dosiert sein. Schleimen ist nicht. Zu viel des Guten wirkt nicht. Und die 0815-  Sprüche ziehn nicht.

Es muss schon was Spezielles sein. Und dann, wenn man nicht damit rechnet. Das neue-Frisur-Kompliment, das ewig-fade-schöne-Augen-Kompliment, das allgemein-super-und-jetzt-sollten-wir-schmusen-Kompliment. Uuaahh!  

Nach Komplimenten lechzen nur Menschen, die wohl immer und immer wieder Bestätigung brauchen. Allen andren sind sie unangenehm. Man erzählt sie ungern weiter und posaunt sie nicht in die Welt hinaus.

Eine außergewöhnliche Stärke, Witz, eine besondere Fähigkeit sollte man IMMER komplimentieren. Sowas gehört gelobt. Hoch geschaukelt und verehrt. Das tut der Seele gut und streichelt das Gemüt.

Aber "Du bist schön" zu später Stunde bei zu viel Wein, "Du bist die Einzige" wenn Konkurrenz im Anmarsch ist oder "Ich hab dich lieb" bei einem Kuss während man aneinander vorbeischaut. Bitte nicht.

Die schönsten, besten, glaubwürdigsten und ehrlichsten Komplimente überraschen einen und geben gar keinen Raum peinlich zu werden. Sie überrumpeln einen so positiv, dass man sie annehmen muss.
"Gute Arbeit, geht ja!" vom strengen Kollegen beim Vorbeigehen; "Schöne Socken" von der kleinen Cousine beim Spielen; "Sogar jetzt bin ich verliebt in dich" vom Freund während eines Streits.

DAS sind sie. So sollen sie klingen und sich anfühlen. Vor denen ziehe ich meinen Hut.
Kompliment.





Kommentare

  1. Die Inflation der Komplimente macht es Menschen wie mir oft schwer ... wer nicht nur sagt, was er meint, sondern sogar meint, was er sagt ... der rennt so manches Mal gegen Mauern.

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